Im Rahmen der Änderung des Regionalplans Südwestthüringen (Stand 2018) wurde die Prüffläche 24 im Wartburgkreis als Windvorranggebiet ausgewiesen. In dieser Prüffläche wurden 293 ha zum potenziellen Windkraftgebiet W-4 erklärt. Gegen die Ausweisung des Windkraftgebietes W-4 bildete sich in Stadtlengsfeld eine Bürgerinitiative.

 

Modifiziertes Schema der Prüfflächen WAK 23, 24, 25

 

Visualisierte Ortsansicht von Stadtlengsfeld mit einer Teilansicht des geplanten Windkraftgebietes W-4 nordöstlich der Stadt.

 

Seit dem 11.06.2019 finden auf dem Marktplatz von Stadtlengsfeld an jedem Dienstag Protestveranstaltungen gegen die Ausweisung des Windkraftgebietes W-4 Stadtlengsfeld statt.

 

Am 26.06.2019 folgten etwa 500 Einwohner und Gäste aus umliegenden Gemeinden der Einladung der Bürgerinitiative zu einer Informationsveranstaltung zum geplanten Windkraftgebiet W-4 Stadtlengsfeld.

 

Links:

http://www.regionalplanung.thueringen.de/imperia/md/content/rpg/suedwest/sw5pv-protbes/sw5pv_beschlpv_07-283-2011.pdf

http://www.regionalplanung.thueringen.de/imperia/md/content/rpg/suedwest/sw-pdf-genbesch-rpswt-1aend.pdf

http://www.regionalplanung.thueringen.de/imperia/md/content/rpg/suedwest/rpswt-fs01-2012/rpswt-fs01b-inet-1-r2-bg-stanz.pdf

http://www.regionalplanung.thueringen.de/rpg/suedwest/index.asp

http://www.regionalplanung.thueringen.de/imperia/md/content/rpg/suedwest/rpsw-aend14plus/rpsw-e1ao/rpsw-e1ao-zu/rpsw14-e1ao-03-zu-09b.pdf

http://www.regionalplanung.thueringen.de/imperia/md/content/rpg/suedwest/rpsw-aend14plus/rpsw-e1ao/rpsw-e1ao-zu/rpsw14-e1ao-03-zu-08.pdf

 

Die Änderung des Regionalplanes Südwestthüringen ...

… ist mit der entsprechenden Beschlussfassung vom 17.03.2015 eingeleitet worden.

 ...

In ihrer Sitzung am 27.11.2018 hat die Planungsversammlung der Regionalen Planungsgemeinschaft Südwestthüringen beschlossen, den Entwurf zum Regionalplan Südwestthüringen zur Durchführung der Beteiligung (Anhörung und öffentliche Auslegung) nach § 3 Thüringer Landesplanungsgesetz (ThürLPlG) vom 11. Dezember 2012 (GVBl S. 450) freizugeben (Beschluss-Nr. 06/371/2018 – siehe Verfahrensübersicht und -stand). Gleichzeitig legte sie fest, dass die Anhörung / öffentliche Auslegung (Beteiligung) im Zeitraum vom 11.03.2019 bis einschließlich 15.05.2019 erfolgt.

Mit Beendigung der Frist erfolgt nun die Erfassung und Bearbeitung der zahlreich eingegangenen Stellungnahmen zum Planentwurf. Danach erfolgen die Beratungen und Beschlussfassungen zur Abwägung der vorgebrachten Hinweise, Bedenken und Anregungen und zur entsprechenden Überarbeitung des Planentwurfs in den Gremien der Regionalen Planungsgemeinschaft. Die Regionale Planungsgemeinschaft geht davon aus, dass auch der überarbeitete Planentwurf einer erneuten Beteiligung (Anhörung und öffentlichen Auslegung) unterzogen wird.

 

Freies Wort 29.06.2019

 

Regionale Planungsgemeinschaft Südwestthüringen
Regionale Planungsstelle
Hölderlinstraße 1, Behördenzentrum
98525 Suhl


Stadtlengsfeld, den 26.06.2019


Einspruch gegen die Ausweisung des Vorranggebietes W-4 Stadtlengsfeld als potenzielles
Windkraftgebiet WAK-V10


Das Vorranggebiet W-4 ist auf einer Fläche von 293ha in einem geschlossenen, weiträumigen
Waldgebiet der Thüringischen Rhön (Vorderrhön), zwischen Stadtlengsfeld und Bad Salzungen-
Hämbach gelegen, geplant.
In dominanter, bis 490m hoher Kammlage des trennenden Bornkopf-Höhenzuges können zukünftig
20 bis 30 Windkraftanlagen mit einer Gesamtbauhöhe bis zu 250m Höhe errichtet werden. Das hat
einschneidende Auswirkungen auf den Lebensraum der Bevölkerung im unteren Feldatal und der
angrenzenden Werraaue. Die Region lebt hier vordergründig vom ausgedehnten Kurwesen und dem
Tourismus. Grundlage dafür bildet die noch intakte Natur mit ihrem Erholungswert und das
unzerstörte Landschaftbild.
Entsprechend des aktuellen Thüringer Landesentwicklungsplans und des Regionalplans Südwestthüringen
sollen Tourismus und Erholung sowie das Kurwesen als Wirtschaftsfaktor in unserer
Region gesichert und weiter entwickelt werden.
Diesem Ziel steht die Ausweisung des Vorranggebiets W-4 kontraproduktiv gegenüber. Die geplanten
Windräder stellen nicht nur einen Eingriff in die unbelastete Natur dar, sondern dominieren das
Landschaftsbild im unteren Feldatal und der angrenzenden Werraaue.


- Der Tourismus in der Rhön wird unter dem Motto „Land der weiten Ferne“ bzw. „Heimat mit
Weitblick“ vermarktet. Die erlebbaren weiträumigen Blickbeziehungen werden als ein
prägendes und besonderes Merkmal in den Vordergrund gestellt. Diese Fernblicke reichen
aus der tiefen Vorderrhön (z.B. Gläserberg, Umpfen, Neuberg etc.) bis zum Thüringer Wald
(Blickpanorama von Eisenach bis Suhl reichend) und sollen auch über die ausgewiesenen
Wanderwege von den Touristen und Heimatfreunden nachvollzogen werden können. Durch
die Windradaufstellung in der Kammlage (Gesamthöhe Berg+Windrad bis zu 740m) werden
die Fernblickbeziehungen in nordöstlicher Richtung äußerst beeinträchtigt. Auf markanten
erwanderbaren Höhenpunkten der Vorderrhön wie Baier, Horn, Pless, Stoffelskuppe etc.
(Abstand zum Gebiet >5km<10km) werden die weiträumigen Blickbeziehungen erheblich
gestört.
Durch das betroffene Waldgebiet führen zwei touristisch bedeutsame länderübergreifende
Wanderwege:
a) der „Rhön-Höhenweg“ als Fernwanderweg zwischen Bad Salzungen und Burgsinn und
b) der östlich tangierende Premiumweg „Hochrhöner“, von Bad Kissingen bis Bad Salzungen
führend.
Auch von der Werratalseite sind die Räder durch die exponierte Lage weithin sichtbar und
stören das Landschaftbild erheblich.


- Der geplante monströse Windanlagenbau wird zukünftig nicht nur den Tourismus in der
Vorderrhön beeinflussen, sondern auch das stark ausgeprägte Kurwesen der Region mit
Kliniken in Stadtlengsfeld, Bad Salzungen und Bad Liebenstein.
Gerade für eine psychosomatische Klinik wie der Dr.-Becker -Burg-Klinik in Stadtlengsfeld ist
eine intakte Landschaft und Umgebung für den Erholungs- und Heilungsprozess der
Patienten besonders wichtig. Überdimensionale Windkraftanlagen in 1,3 km Entfernung sind
für den Heilungsprozess dieser sensiblen Patientengruppe nicht gerade förderlich. Eine
Exposition durch Infraschall kann zu Gesundheitsschäden führen. Gehen die Kurzahlen
infolge der Windradaufstellung zurück, hat das Auswirkungen auf den Erhalt der Arbeitsplätze
vor Ort.
Das ausgedehnte Waldgebiet wird sowohl von den Kurgästen als auch von der
einheimischen Bevölkerung für Ausflüge und zur Erholung genutzt. Hier befindet sich die
regional beliebte Ausflugsgaststätte „Hundskopf“, die über die vielen Waldwanderwege vom
Feldatal bzw. Werratal her erreichbar ist. Die Wege führen direkt durch das geplante
Vorranggebiet.


- Das Vorranggebiet W-4 wird in einem geschlossenen Waldgebiet geplant, welches im
Regionalplan als Vorbehaltsgebiet zur Freiraumsicherung ausgewiesen wird. In südwestlicher
und südöstlicher Richtung wird dieses Gebiet umschlossen durch das Vorranggebiet zur
Freiraumsicherung FS38 („Pless mit Buntsandsteinrücken“, z.T. auch FFH-Gebiet).
Vorbehaltsgebieten ist im Abwägungsprozess ein besonderes Gewicht beim Erhalt der
Naturgüter Boden, Wald, Wasser, Klima, Flora und Fauna beizumessen.
Durch die Installation der Windkraftanlagen werden Waldflächen gerodet und z.T. versiegelt.
Im Zusammenhang mit dem aktuellen Fichtensterben steigt die Gefahr der Bodenerosion
infolge Starkregen. Der unkontrollierte Wasserabfluss in die Tallagen erhöht die Gefahr von
Überschwemmungen. Stadtlengsfeld war diesbezüglich bereits in der Vergangenheit (1958,
1966) betroffen, als durch Starkregenereignisse erhebliche Schäden an Straßen und
Gebäuden entstanden.
Stadtlengsfeld profitiert von den noch günstigen klimatischen Bedingungen im unteren
Feldatal. Diese sind auch Grundlage eines erfolgreichen Kurbetriebes in der ansässigen
Dr.-Becker-Burg-Klinik. Die geschlossenen Waldgebiete links und rechts der Felda erfüllen
diesbezüglich auch eine Klimaschutzfunktion, die durch zusätzliche Rodungen im Wald
gefährdet wird.
Das ausgewiesene Vorranggebiet W-4 ist Bestandteil des größten zusammenhängenden
Waldgebietes im Felda-Werra-Bergland der Vorderrhön. Es ist Lebensraum geschützter und
seltener Tierarten. Es ist Brutgebiet des Rotmilans, sowie Laichgebiet des Feuersalamanders
und des Bergkammmolches. In der Vergangenheit hat es Brutversuche des Schwarzstorches
in der Nähe des Vorranggebietes W-4 gegeben. Die aufzustellenden Anlagen wie auch die zu
erwartenden großflächigen Erdarbeiten bedrohen bzw. zerstören den Lebensraum dieser
schützenswerten Spezies.


- Das Vorranggebiet W-4 liegt in einem großräumigen Gebiet der Rhön, welches durch
bergbauinduzierte Seismizität gekennzeichnet ist. In nördlicher Richtung schließt sich
unmittelbar das Erdfallgebiet in Tiefenort (Entfernung ca. 4km) an. Seismische
Überwachungsanlagen im Bergbau und die installierten Geophone in Tiefenort zur
Überwachung der Erdfalltrichter werden durch Infraschall bis in einer Entfernung von 10km
gestört und führen regelmäßig zu Falschalarmen.
Die durch die Regionale Planungsgemeinschaft Südwestthüringen erstellten Prüfbögen für das
Vorranggebiet W-4 berücksichtigen o.g. Punkte teilweise nur rudimentär und nicht ausreichend
tiefgründig. Wir fordern diesbezüglich eine entsprechende Berücksichtigung im weiteren Verfahren.


In Stadtlengsfeld und in den umliegenden Orten regt sich Widerstand der betroffenen Bürger gegen
den Windenergieaktionismus der Landesregierung. Alternative Energiewende ist unsinnig, wenn
man das zerstört, was man eigentlich durch sie bewahren will: „die Natur, die Landschaft, den
Lebensraum der Menschen“.
Das einzige Potential was wir hier in der Region Rhön haben, ist die die wunderbare, noch
unzerstörte Naturlandschaft. Sie ist die Basis für die Wirtschaftszweige Kur und Tourismus.
Auf Industrie können wir hier nicht bauen.
Wir wollen diesen Naturraum auch für die Zukunft bewahren und schützen.


Im Namen der „Bürgerinitiative gegen potenzielles Windkraftgebiet W-4 Stadtlengsfeld“
Ralf Adam, Rolf Leimbach, Daniel Hartleb, Roger Illing, Julia Illing, Dr. Frank Kram, Uli Winius, Andreas Küttner